Warum Konflikte keine Gegenstände sind!


Wenn es knirscht, kracht, quietscht oder schwierig wird sind häufig Konflikte im Spiel. Es wird davon gesprochen, dass der Konflikt wegmuss, nicht unter den Teppich gekehrt werden kann oder schon lange schwelt. Dabei gibt es ihn gar nicht den Konflikt. Konflikte sind keine Gegenstände, die man bewegen, verändern oder verschwinden lassen kann. Wir tun sprachlich nur so als wäre er eine Sache.


Doch was ist ein Konflikt dann? Ganz allgemein könnte man sagen, eine Spannung zwischen zwei Polen. Wobei ein Pol eine Person, eine Gruppe, Organisation oder Nation sein kann. Diese Spannung führt zu unangenehmen Gefühlen und sind der belastende Teil von Veränderung. Wie klingt das für Sie: Ein Konflikt kann beschrieben werden als eine belastete Polarität, die zu unangenehmen Gefühlen führt und als Aufforderung zur Veränderung beinhaltet.


Als ich diesen Satz das erste Mal gehört habe, dachte ich: Cool, es geht bei Konflikten um Veränderungen. Damit verschwand das Bedrohliche, denn Lösungen zu finden, was Neues zu entdecken und was zu verändern, das tue ich gerne. Zwar fühlt sich so eine Spannung weiterhin nicht so toll an, aber wenn es darum geht etwas zu verändern, o.k.! Passt!


Nun zurück zum eigentlichen Themen und gehen wir hier noch einen Schritt weiter. Fragen Sie die Beteiligten nachdem was los ist, worin die Spannung besteht, dann hören Sie zwei unterschiedliche Geschichten. Jeder erzählt aus seiner Perspektive, setzt sich also anders zu den Tatsachen in Beziehung. Sicher können Sie sich ausmalen, wie diese z.B. bei einem volljährigen Radfahrer auf dem Fußweg und einem Autofahrer, der abbiegen rechts will und der Radfahrer der ihm von rechts entgegenkommt. Geraten die Beiden aneinander so gibt es zwei Sichtweisen, nicht eine. Hier von einem Konflikt zu sprechen wird der Situation nicht gerecht. Vermutlich beinhaltet die jeweilige Schilderung auch einige Hinweise, wer denn nun Schuld sei am Konflikt und das ist sicher nicht der Erzähler.


Gehen wir davon aus, dass jeder von uns, sich seine Welt aus einer unüberschaubaren Anzahl von Eindrücken, Erfahrungen und Gefühlen zusammenbaut, in dem er ein paar herausnimmt, wird deutlich:


Den Konflikt gibt es nicht, jeder hat sozusagen seinen eigenen, entsprechend der Auswahl an Wahrnehmungen, die er nutzt.

Damit wird noch etwas klar, die Frage nach der Ursache des Konflikts, nach der einen wahren Sicht, sowie die Frage wer Schuld hat lässt sich nicht abschließend beantworten. Hilft ehrlich gesagt auch nicht wirklich weiter, denn durch verschwindet die Spannung nicht. Eine vermeintliche Antwort darauf, führt zu einer Win-Lose Situation und damit wandert die Belastung bei einem der Beteiligten in den Keller und wartet nur darauf, wieder herauskommen zu können.


Und was lässt sich stattdessen tun?

  • 1. Tief durchatmen, wenn es schwierig wird!
  • 2. Sich bewusstmachen, dass jeder sich auf seine ganz individuelle Art undWeise zu den Tatsachen in Beziehung setzt, ohne dies zu bewerten. Einfach anerkennen.
  • 3. Es geht nicht um Schuld, es geht um Veränderung.
  • 4. Die eigenen Emotionen wahrnehmen – sich seiner Bedürfnisse bewusstwerden. Was brauche ich, damit es mir bessergeht?
  • 5. Schenken Sie Ihrem Gegenüber Aufmerksamkeit.
  • 6. Tauschen Sie sich über ihre unterschiedliche Wahrnehmung aus. Manchmal ist es überraschend was da beim anderen auftaucht. Hierin kann der Ansatz zum Verstehen und einer Lösung liegen.
  • 7. Sich gemeinsam fragen, wie sich die Situation positiv im Sinne beider verändern ließe.


Patentrezept: gibt es leider keins!

Aber meine Sicht auf „Konflikte“ zu verändern macht einen Unterschied, der schon einen Unterschied macht.



Kategorie: Blogs von Ulrike Regenscheidt 8. Dezember 2017

Autor: Ulrike Regenscheidt

http://www.consens-regenscheidt.de


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